Arbeitskreis Historisches Geretsried
Arbeitskreis Historisches Geretsried

Zeitzeuge vom Bau und Betrieb der Geretsrieder Rüstungswerke

Herr Josef Sonner stand am 10.07.2017 interessierten Mitgliedern des Arbeitskreises Historisches Geretsried Rede und Antwort auf Fragen und berichtete als Zeitzeuge seine Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend über den Bau und den Betrieb der Gerestsrieder Rüstungswerke.

Sein Vater, Georg Sonner war Landwirt in Königsdorf/Osterhofen und holte des Öfteren mit einem Ochsengespann ausgegrabene Wurzelstöcke aus dem Gebiet der Rüstungwerke im Wolfratshauser Forst. Josef Sonner hat ihn dabei öfter begleitet und mehrfach die von der Sprengstoffproduktion gelb gefärbten Zwangsarbeiterinnen auf ihrem schweren Marsch in die Betriebe gesehen. Famiele Sonner hat einigen der Zwansarbeiterinnen heimlich Lebensmittel zukommen lassen.

Bericht Josef Sonner:

 

Anfang März wurde ich in der Stettenkaserne in die Division Nibelungen, Pionierkompanie 497 eingeteilt. Nach 8 Tagen Kurzausbildung (Bäume und Brücken sprengen) auf dem Land, kurz vor Freiburg im Schwarzwald wurden wir sofort in Richtung Frankreich zum ersten Einsatz geschickt. Doch am Ortsausgang Freiburg kam es bereits zum ersten Feindkontakt. Daraufhin haben wir hinter den Häusern Schutz gesucht und den Rückzug zu Fuß angetreten. In mehreren Nächten wurden wir mit der Bahn (zusammen mit einer umfangreichen Waffen- und Sprengladung) einige Male hin und her transportiert bis wir schließlich in München eine SS Uniform bekamen und später in Geisenfeld neu zusammengestellt und mit Waffen ausgerüstet wurden.

Während dieser Zeit gab es mehrfach Tieffliegerangriffe mit Jabos. Der größte Teil der Angriffe wurde von den beiden zur Transportsicherung mitgeführten Vierlingsflag (Hermann Göring Flag) abgewehrt.

 

Der erste Großeinsatz fand (zusammen mit anderen Einheiten der 38. SS Division Nibelungen) bei Voburg an der Donau statt: Ca. 1 km hinter der Brücke in Richtung Ingolstadt wurden wir von den Amerikanern angegriffen. Ein Teil von uns konnte noch über die Brücke flüchten. Ich war der Letzte der die Brücke überqueren konnte bevor die Tiefflieger das Feuer eröffneten und die Brücke anschließend gesprengt wurde. Der Rest unserer Einheiten, der auf der anderen Seite der Brücke verblieben war, eröffnete das Feuer auf die Angreifer. An diesem Tag fielen 31 Soldaten.

 

Der zweite Einsatz fand an der Isarbrücke in Moosburg statt. Als der erste Panzer die Brücke überquerte, erhielt ich von unserem Scharführer den Befehl ihn mit der Panzerfaust abzuschießen. Ich verweigerte den Befehl da der Panzer mit Ziegelsteinen und Maschendraht umwickelt und somit geschützt war. Nachdem der Panzer die Brücke unversehrt überquert und das Feuer eröffnet hatte, flohen wir unter diesem schweren MG-Beschuss in die Isarauen.

 

Der dritte Einsatz fand wenige Stunden später am Isarkanalkraftwerk bei Moosburg statt. Die Amerikaner hatten das Kraftwerk besetzt und aus den oberen Etagen mit MGs auf uns geschossen. Während ich aus meiner Deckung in das Kraftwerk zurückschoss wurden wir von amerikanischen Panzern mit Granaten (Aufschlagzündern) beschossen. Die Granaten gingen im Abstand von nur 5m Entfernung voneinander zu Boden. Allein in meinem direkten Umkreis (100 bis 150m) fielen 9 SS Soldaten (alle unter 18 Jahre) und 21 US-Soldaten.

 

Der Turm der ca. 300 m entfernten Kirche diente uns kurzfristig als Verteidigungspunkt. Drei Mann eröffneten vom Kirchturm aus das Feuer auf die Amerikaner, mussten aber sofort wieder flüchten, da diese den Kirchturm unter Beschuss genommen hatten und schließlich das obere Drittel des Turmes abschossen.

Der wohlgemeinte Rat des Vaters bei der Einberufung: "ducks enk, drucks enk und duats ja neamd daschiaßn, außer es geht nimma anders!"

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Arbeitskreis Historisches Geretsried