Arbeitskreis Historisches Geretsried
Arbeitskreis Historisches Geretsried

Pressebericht Tattenkofeneer Brücke

Geretsrieds Dritter Bürgermeister Robert Lug enthüllte gemeinsam mit Walter Holzer vom AK Historisches Geretsried eine der beiden neuen Informationstafeln.

© Herrmann

 

„Die Tattenkofener Brücke ist nicht nur für Geretsried, sondern für den ganzen Landkreis von großer Bedeutung“, betonte Dr. Wolfgang Pintgen vom Arbeitskreis Historisches Geretsried in seiner Grußrede. Zusammen mit Franz Rudolf, Arthur Zimprich, Walter Holzer, Friedrich Schumacher, Helmut Schmidmeier und anderen ehrenamtlichen Helfern erforschte er über ein Jahr lang die Geschichte der 1905 eröffneten Tattenkofener Brücke. „Vor dieser Zeit war es für Dietramszeller, Bairawieser, Föggenbeurer und Manhartshofer Bürger sehr beschwerlich, nach Wolfratshausen zum zuständigen Landgericht zu kommen. Die Menschen benötigten für die einfache Strecke rund vier Stunden“, erklärte die Dietramszeller Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Da es Überlegungen gab, eine Eisenbahnstrecke von Wolfratshausen über Geretsried und Königsdorf nach Bad Tölz zu bauen, wurde 1904 die Brücke fertiggestellt und schließlich 1905 eröffnet. Mit einer Länge von 180 Metern und elf in der Isar stehenden Jochen war sie damals die längste Holzbrücke in Süddeutschland. Ihre 4,90 Meter breite Fahrbahn bestand aus unten liegenden starken Bohlen, einer Schicht Asphaltfilzplatten und einer 20 bis 25 Zentimeter starken Schotterdecke. Am 1. Mai 1945 sprengten deutsche Pioniersoldaten den westlichen Teil der Brücke. Erst 19 Jahre später wurden die Ostufergemeinden wieder an den Westen angeschlossen. Für die 1964 fertiggestellte Betonkonstruktion investierte der Freistaat Bayern 2,7 Millionen Mark – 300.000 Mark steuerte der damalige Landkreis Wolfratshausen bei. In den vergangenen beiden Jahren erfolgte schließlich eine erneute Sanierung. Laut Schätzungen von Arthur Zimprich überqueren derzeit rund 10.000 Fahrzeuge pro Tag die Tattenkofener Brücke. Eine Zahl, die auch Landrat Josef Niedermaier beeindruckt: „Erst als es infolge der Reparaturarbeiten zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen kam, wurde mir die Wichtigkeit dieser Brücke bewusst. Für die Erhaltung der Vitalität unserer Infrastruktur im Landkreis ist sie unerlässlich.“ Und Geretsrieds Dritter Bürgermeister Robert Lug, der zusammen mit Arbeitskreismitglied Walter Holzer die Informationstafel auf der Geretsrieder Uferseite enthüllte, wurde noch deutlicher: „Mit diesem Bauwerk ging ein Geretsrieder Traum in Erfüllung. Hier haben wir den besten Beweis dafür, dass sich gesprengte Brücken wieder aufbauen lassen.“ Peter Herrmann

Das Ergebnis mehr als einjähriger Recherchen: Im Foyer des Rathauses wurde am Montagabend die Ausstellung über die Geschichte der Tattenkofener Brücke eröffnet. Foto: Hermsdorf

Das Ergebnis mehr als einjähriger Recherchen: Im Foyer des Rathauses wurde am Montagabend die Ausstellung über die Geschichte der Tattenkofener Brücke eröffnet. Foto: Hermsdorf

„Die Wände haben gewackelt, und der Boden hat gebebt.“ Andreas Huber war vier Jahre alt, als am 1. Mai 1945 zwei deutsche Pioniersoldaten die 1905 erbaute Holzbrücke über die Isar sprengten. Der 71-Jährige erinnert sich noch gut: „Die Wehrmänner haben bei uns zu Hause gewohnt.“ Kurz nach ihrer verhängnisvollen Tat seien sie Hals über Kopf aufgebrochen. Ihre Habseligkeiten ließen sie zurück - „auch ihre Waffen“, berichtet Huber. „Einige habe ich an befreundete Jäger verschenkt, die anderen beim Landratsamt abgegeben.“

Stellvertretend für die Mitglieder des Arbeitskreises Historisches Geretsried eröffnete Wolfgang Pintgen am Montagabend die Ausstellung zur Tattenkofener Brücke. Bis zum 1. März gibt es auf zehn Schautafeln Bildaufnahmen, Baupläne und Berichte zur wechselhaften Geschichte der Brücke zu sehen. In Schaukästen sind Exponate aus der Zeit nach 1945 ausgestellt.

Eine weitere Zeitzeugin ist die 81-jährige Katharina Ailler. Gemeinsam mit ihren Geschwistern wuchs das Mädchen auf dem Einödhof auf Geretsrieder Flur auf. Etliche Male überquerte sie gemeinsam mit ihren Freunden die Tattenkofener Brücke - zu Fuß oder mit dem Fahrrad. „Nach ihrer Sprengung mussten wir einen stundenlangen Umweg marschieren“, erinnert sie sich. Abhilfe schaffte bald Katharinas Vater Sebald. „Am Ufer der Isar hat er einen kleinen Hafen eingerichtet. Mit einem Kahn hat er Pendler von Ost nach West gefahren.“ Erst 1964 wurde der Fährbetrieb eingestellt. Die neue Stahlbetonbrücke über die Isar war fertig. (cap)

Mehr dazu lesen Sie in der Mittwochsausgabe des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Arbeitskreis Historisches Geretsried