Arbeitskreis Historisches Geretsried
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Vorstellung des Neuen Geretsrieder Hefts

Pressebericht des Geretsrieder Merkur vom 17.05.2014:

Sogar ein Strandbad entwarf der Architekt


Geretsried - Die Ortsplanung von Geretsried – wie aus zwei Rüstungswerken eine Stadt wurde: Mit der Zeit von 1938 bis 1980 befasst sich das sechste Geretsrieder Heft des Arbeitskreises Historisches Geretsried. Der Autor Martin Walter stellte es am Donnerstag vor großem Publikum im Rathaus vor.

 

Viel Spaß beim Lesen: Ein ganzes Päckchen Geretsrieder Hefte überreichten (v. re.) AK-Vorsitzender Dr. Wolfgang Pintgen und Autor Martin Walter dem neuen Bürgermeister Michael Müller.

 

 

Bisher fehlte eine exakte kalendarische Auflistung der Ereignisse während der Zeit der Rüstungswerke. Der ehemalige, langjährige städtische Mitarbeiter und Hobbyhistoriker Martin Walter hat sich auf den ersten Seiten des neuen Hefts die Mühe gemacht, die wichtigsten Daten festzuhalten. Die beiden großen Sprengstoff-Betriebe, die Adolf Hitler im damaligen Staatsforst-Gebiet südlich von Wolfratshausen errichten ließ, würden zwar nicht unter den Begriff „Ortsplanung“ fallen, sagte Walter bei der Präsentation seiner Broschüre. Doch seien die Gebäude und die bestehende Infrastruktur für die Neubesiedlung ab 1945 von entscheidender Bedeutung gewesen. Dem Entstehen der Stadt zwischen 1945 und 1960 widmet Walter den größten Teil seines Werks.

Als echter Glücksfall entpuppte sich dabei für ihn, dass er 2005 Fritz Noppes junior aus Degerndorf traf. Dessen Vater Fritz Noppes gilt als der Architekt Geretsrieds. Der Sohn hatte zahlreiche Pläne und Dokumente von damals auf dem Dachboden seines Elternhauses gefunden und dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. „Die Unterlagen dienten mir als Beweise für meine Zeitzeugenberichte“, sagt Walter. Fritz Noppes senior entwarf 1946 ein ganzes Viertel auf dem Reißbrett. Nordwestlich der Blumenstraße erarbeitete er eine Siedlung für rund 6000 Heimatvertriebene. Er dachte an Sportplätze und Kirchen, ja sogar an ein Strandbad an der Isar.

Neben den Zeichnungen des Architekten vom Spitzingsee finden sich viele historische Fotos im sechsten Geretsrieder Heft, das von Harald Zelfel gestaltet und von Friedrich Schumacher Korrektur gelesen wurde. Auch auf die wechselnden Besitzverhältnisse geht der Autor ein: Geretsried befand sich insgesamt in den Händen von neun verschiedenen Eigentümern, darunter auch die amerikanische Militärregierung. Gelegentlich erlaubt sich der ehemalige Bauamtsleiter einen Kommentar über die Ortsgestaltung.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Historisches Geretsried, Dr. Wolfgang Pintgen, erklärte vor den rund 70 Gästen und Ehrengästen im Rathaus, sein Verein sei konstant bemüht, das Logo „Geretsried einfach anders“ mit Leben zu erfüllen. Wer das neueste Heft liest, erkennt, warum in dieser Stadt viele Straßen im Bogen verlaufen, warum man immer noch auf Gleis- und Bunkerreste trifft. Pintgen bedankte sich bei der Stadt für ihren Zuschuss in Höhe von 500 Euro und gab der Hoffnung Ausdruck, der neue Bürgermeister Michael Müller möge weitere Projekte ebenso unterstützen wie seine Vorgängerin Cornelia Irmer. Müller versprach, dies zu tun und bedankte sich seinerseits für das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder, die bisher fünf Hefte zu Themen wie „Geretsrieder Straßennamen“, „Industriepioniere“ und „Die Brücke bei Tattenkofen“ herausgebracht haben. Laut Pintgen will man sich als nächstes Projekt die Rüstungswerke vornehmen. Zum Themenschwerpunkt Ortsplanung sagte Müller: „Ich hoffe, wir schreiben davon eine gute Fortsetzung mit der Überplanung der Böhmwiese.“ (tal)

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