Arbeitskreis Historisches Geretsried
Arbeitskreis Historisches Geretsried

Siebenbürgen

Im 12. Jahrhundert folgten Kolonisten (Gastsiedler) aus verschiedenen Gebieten des Deutschen Reiches dem Ruf des ungarischen Königs Geisa II. (1141-1161) "zum Schutz der Krone" in das Gebiet zwischen Mieresch, Alt, Samosch und Ostkarpaten, das auch unter dem Namen „Transsilvanien“ bekannt ist. Diesen deutschen Siedlern wurde 1224 im Goldenen oder Andreanischen Freibrief auf dem "Königsboden" Territorialautonomie, Selbstverwaltung und eigenständige Gerichtsbarkeit gewährt. Die nur dem König Ungarns unterstellten "Hospites Theutonici" oder "Flandrenses", für die sich die Bezeichnung "Saxones" durchsetzte, wuchsen zu einem neuen deutschen Volksstamm, den Siebenbürger Sachsen, zusammen und errichteten Dörfer, befestigte Städte und ein in seiner Dichte einmaliges System von etwa 200 Kirchenburgen, das sich in der Verteidigung auch gegen stärkere Truppenverbände bewährte. Einige dieser Kirchenburgen bzw. Wehrkirchen und Dörfer sind heute als Kulturdenkmäler in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen.

In den Städten entwickelte sich ein bemerkenswertes deutsches Zunftwesen, siebenbürgisch-sächsische Kaufleute unterhielten Handelsbeziehungen bis Vorderasien und Westeuropa.

Mitte des 16. Jahrhunderts traten die Siebenbürger Sachsen geschlossen zum Evangelisch-Lutherischen Glauben über, sie schlossen sich politisch zur "Nationsuniversität" und kirchlich in der "Ecclesia Dei Nationis Saxonicae" (Kirche Gottes der sächsischen Nation) zusammen.

Im 16. und 17. Jahrhundert in das säkuläre Ringen zwischen Habsburgern und Osmanen hineingerissen, von Kriegen, Plünderungen, Hungersnöten und Seuchen heimgesucht, folgte im 18. Jahrhundert die Einverleibung Siebenbürgens in das Habsburgerreich und 1876, im Zuge des österreichisch-ungarischen Ausgleichs, die Auflösung der mittelalterlichen Privilegien (Nationsuniversität und eigene Richterstühle). 1918 wurde der Anschluss Siebenbürgens an Rumänien beschlossen. Als Folge des 2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit, die für viele der ca. 250 000 dort lebenden Siebenbürger Sachsen Gefangenschaft, Evakuierung, Deportation und Enteignung bedeuteten, ist der größte Teil der Nachkommen der einstigen Gastsiedler in das von ihnen als „Mutterland“ bezeichnete Deutschland bzw. nach Österreich oder Übersee ausgewandert. Heute leben noch etwas mehr als 10 000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen.

 

Idee: Arbeitskreis Historisches Geretsried – WS/WH, Karte: Hans-Werner Schuster, Text: Herta Daniel, Sponsor: Kreisgruppe BadTölz-Wolfratshausen

des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.

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