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Geretsried - eine Erfolgsgeschichte


Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten -60 Jahre Geretsried- fand am 26.6.2010 eine Feier an einem denkwürdigen, weil historischen Ort statt.

Eine große Halle der Firma Speck hatte der Arbeitskreis als Veranstaltungsort gewählt, weil in einer benachbarten Halle dieser Firma vor 60 Jahren die Gründungsfeierlichkeiten der Gemeinde Geretsried stattgefunden hatten.


Bei dem folgenden Vortrag blickten Martin Walter und Werner Sebb auf die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung Geretsrieds zurück.


Mittels Powerpoint-Präsentation mit vielen Bildern wurde die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung in den ersten Jahrzehnten in Fakten, Daten und Zahlen dargestellt.



Geretsried - eine Erfolgsgeschichte

Bei den Ansprachen zum 60-jährigen Jubiläum am 1. April wurde bereits die Aufbauleistung von Geretsried ausführlich gewürdigt.
Als Amateur-Historiker versuchen wir heute, in unserem Vortrag, das Werden unserer Stadt in den vergangenen Jahrzehnten in Fakten, Daten und Zahlen zusammenzufassen.
Trotz der nüchternen Fakten werden Sie feststellen, dass auch bei uns der Stolz mitschwingt, Bürger dieser Stadt zu sein.
Die ersten drei Jahrzehnte werden ausführlicher dargestellt, da in dieser Zeit die Weichen für die Entwicklung gestellt wurden.

Es hat sich gezeigt, dass gerade für diesen Zeitabschnitt das Interesse besonders der jüngeren Generation sehr groß ist.
Die letzten zwanzig Jahre werden nur noch gestreift, sie sind Ihnen allen noch in Erinnerung.

Wann war die Geburtsstunde des heutigen Geretsried?

-ist es 1083 mit der erstmaligen Erwähnung?
-ist es 1937 mit der Planung der Rüstungswerke?
oder ist es 1950 mit der Gemeindegründung?

diese drei Daten sind es sicherlich nicht.
 
Das Geretsried, wie wir es heute kennen, entsteht mit der Neubesiedlung der beiden Rüstungswerke 1946.
Die Geburtswehen sind gewaltig.

Veranlasst durch die Vertreibung von 12 Millionen Menschen, von denen der Landkreis Wolfratshausen innerhalb von etwa einem Jahr 19.000 Personen aufzunehmen hat.

Dieser Landkreis hatte 21.000 einheimische Einwohner. In den UNRRA-Lagern (Föhrenwald und Stein) befanden sich 10.000 DP`s UNRRA bedeutet auf Deutsch Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen. –
DP`s waren Überlebende der Judenvernichtungen und gestrandete Fremd- und Zwangsarbeiter.

Die im Landkreis untergebrachten ausgebombten Münchner werden Ende 1945 auf 10.000 geschätzt.

Somit wird die Unterbringung der laufend eintreffenden Transporte der Vertriebenen eine nahezu unlösbare Aufgabe. Zwangseinweisungen bei der Bevölkerung sind nötig.

Aber die Zahl der Vertriebenen überschreitet alle Möglichkeiten.

Es bieten sich die beiden stillgelegten Rüstungswerke der Deutschen Sprengchemie und der Dynamit-Nobel-AG an.

Das sind…
637 Fabrikationsgebäude;
über 60 km Betonstraßen
ein überdimensioniertes Wasser- Kanal- und Stromnetz.

Dagegen spricht aber ein Gutachten der US-Armee vom 17.10.1945, dass die Anlagen nicht für friedliche Zwecke verwendet werden dürfen und somit zu demontieren und zu sprengen sind. Die Bunker bilden ein erhebliches Kriegspotential.

Das Gelände wird geschlossen.

Bereits einige Tage nach der Potsdamer Konferenz im August 1945 –hier wurde die Aussiedlung endgültig beschlossen -werden „Hilfsstellen der Sudetendeutschen, Schlesier und Volksdeutschen aus Südosteuropa in Bayern“ gegründet.

Man ahnt, genauer gesagt man weiß, was auf Bayern zukommt und beginnt zu planen, wo und wie die Unterbringung der erwarteten Heimatvertriebenen möglich ist.
Im Nov. 1945 wird mit Einverständnis der Militärregierung das „Staatskommissariat für das Flüchtlingswesen in Bayern“ gegründet. Es ist dem Innenministerium unterstellt, Nebenstellen haben die Landräte einzurichten.

Der damalige Landrat Dr. Hans Thiemo (nicht mit dem darauffolgenden Landrat Willi Thieme zu verwechseln) schreibt am 11.2.1946
„Mit Zustimmung der zuständigen Stellen der Militärregierung sollen die zum Erhalten vorgesehenen Objekte der ehemaligen Fabrik Wolfratshausen nach Freigabe zur Aufnahme sudetendeutscher Flüchtlinge bzw. hier zu errichtender sudetendeutscher Industrien dienen“.

Bereits im Februar 1946 wird geplant, eine „Sudeten-Wohnungs- und Industriebau-Siedlungsgenossenschaft für Wolfratshausen“ zu gründen.

Im März 1946 beginnt ein Architekt namens Noppes (wohnhaft am Schliersee), man beachte allein die Schwierigkeiten, in der damaligen Zeit nach Geretsried zu kommen, mit der Planung von einfachsten Siedlungshäusern für diese Genossenschaft.

Diese Häuser sind nur wegen des Materialmangels einfach, es ist vorgesehen, dass die Bewohner dauerhaft darin wohnen werden.

Der Gegensatz hierzu ist die Flüchtlingspolitik im Nahen Osten. Hier bleiben die Vertriebenen teilweise bis zum heutigen Tage in provisorischen Lagern:
Mit den uns allen bekannten Problemen.

Hier verließ sich niemand auf Versprechen einzelner Politiker, die von einer Rückkehr in die alte Heimat träumten.
 
Der Architekt macht sich Gedanken über die Entwicklung des Geländes.

Er plant im Norden von Gartenberg über 3000 Wohnungen zu errichten. Einschl. der Infrastruktur wie Kirchen, Schulen und sogar ein Freibad an der Isar.
Die dazugehörenden 4.000 Arbeitsplätze sollen in den übrigen Teilen der Werke entstehen.
Zu bemerken ist, dass dies alles innerhalb eines halben Jahres geschieht.
Heutzutage wären hierfür Jahre nötig.

Am 7.4.1946 kommt in Geretsried der erste größere Transport von Heimatvertriebenen mit 554 Personen aus Graslitz an. Es folgen im Laufe des Jahres noch weitere 674 Personen.
Sie werden im Barackenlager und im Rathaus untergebracht. Sie sind untergebracht, aber was ist die Zukunft?
In das überwiegend landwirtschaftlich geprägte Oberbay
ern kommen Industriearbeiter.

Während die heimatvertriebenen Graslitzer, zu denen auch ich gehörte, noch damit beschäftigt waren, sich in den teilweise demolierten Holzbaracken des Lagers mit primitivsten Mitteln eine Bleibe zu schaffen, regten sich, von diesen weitgehend unbemerkt, die ersten Bestrebungen zur Einrichtung industrieller Produktionsstätten. Fast auf den Tag genau einen Monat nach Eintreffen des Transports aus Graslitz, und exakt ein Jahr nach Kriegsende, nämlich am 8. Mai 1946, erhielt die Firma Rudolf & Co. zwei leerstehende Gebäude im DSC-Gelände mit den Nummern 93 und 94 zugewiesen für die „Produktion von Textilhilfsmitteln und zur Aufarbeitung von Knochen und Hautabfällen“. So jedenfalls lautete die Arbeitserlaubnis, die den Herren Ernst und Wolfgang Schumann mit Datum vom 13. Dezember 1945 von der Landesstelle für Chemie in München, Leopoldstraße 28 erteilt wurde.

Es folgten weitere Firmengründungen, z.B. der Firma Golde & Co. am 16.7.1946, der Fa. Filler & Fiebig am 12.9.1946, der Fa. Arno Plauert am 3.12.1946 und der EMPE-Werke am 16.12.1946. Diese Unternehmen siedelten sich nicht zufällig alle im DSC-Gelände an. Das Areal der ehemaligen DAG wurde erst ein Jahr später für Industrieansiedlungen frei gegeben.

Im Jahre 1948 gab es auf dem Gebiet der heutigen Stadt Geretsried bereits ca. 400 Arbeitsplätze und die Zahl wuchs ständig. Am 19. Januar 1948 erfolgte die Gründung der „Voralpenwerke“, der Vorläuferin der heutigen „Industriegemeinschaft Geretsried“, kurz IGG genannt. Hierüber berichtete Herr Dr. Friedhelm Finke ausführlich in einem Beitrag in der Festschrift zur Gemeindegründung 1950. Über dieses Ereignis wird später noch zu berichten sein.

 Ich darf Sie in diesem Zusammenhang auf die 2. Sonderausgabe der „Geretsrieder Hefte“ unter dem Titel „Industriepioniere in Geretsried“ hinweisen, die Sie heute erstmalig erwerben können. Darin finden Sie Berichte über den Aufbau zahlreicher Geretsrieder Unternehmen. Die meisten davon schildern mit unterschiedlichen Worten, aber sehr ähnlichem Inhalt die enormen Schwierigkeiten, mit denen die Firmengründer anfangs zu kämpfen hatten.

Das begann meist schon bei der Beantragung der Betriebserlaubnis. Die amerikanische Besatzungsbehörde blickte mit großem Misstrauen auf alles, was sich in den ehemaligen Produktionsstätten für Munition und Sprengstoffe als industrielle Aktivitäten darstellte. Und das, obwohl sie ja selbst die totalen Demontagen und Sprengungen angeordnet und überwacht hatten.

 Lassen wir hier den Zeitzeugen Ernst Schumann zum Wort kommen. Ich zitiere:

„In den Gebäuden war alles zerschlagen, die Fenster und Türen heraus gerissen und es lagen Berge von kaputten Gegenständen herum. Die Kacheln waren abgeschlagen, so dass lediglich die vier Wände standen. Nach kurzer Zeit setzten im Gelände Sprengungen ein. Während dieser Zeit kam von den Amerikanern der Befehl, die Gebäude in kurzer Frist von zwei Tagen zu enttarnen. Im Umkreis von ca. 20 Metern mussten die Bäume gefällt werden. Auch von den Dächern mussten Bäume und Sträucher entfernt werden, außerdem noch die auf den Dächern aufgeschütteten Erdmassen von ca. 600 cbm pro Gebäude. Um diese großen Mengen bewältigen zu können wurden schwere Bagger auf die Dächer gegeben, da es sonst unmöglich gewesen wäre, in dieser kurzen Zeit die Gebäude von der Erde zu befreien. Zitatende“!

Doch das waren bei weitem noch nicht alle Probleme. Enorme Schwierigkeiten bereitete die Beschaffung von Maschinen, Geräten und Rohstoffen. Es herrschte ja bekanntlich Mangel an allem.

Die Zulieferindustrien waren, soweit überhaupt noch intakt, während des Krieges zum großen Teil auf Rüstungsgüterproduktion umgestellt worden, die so wichtigen Kontakte zu Rohstofflieferanten im Ausland über Jahre unterbrochen. Hinzu kamen unglaubliche Probleme bei der Kapitalbeschaffung, die zur damaligen Zeit ungleich schwieriger war als heute. Wer konnte unter den geschilderten Umständen – in einer fremden Umgebung, in einem ausgebluteten Land, als meist mittelloser Heimatvertriebener, ohne Besitz an Grund, Boden und Gebäuden, irgendwelche Sicherheiten bieten? Hinzu kam ein unwägbares Risiko, auf einem Gelände, das man nicht erwerben konnte, eine Firmenneugründung zu wagen. Wer wusste denn, was die nächsten Tage, Wochen, Monate bringen würden.

All jenen, die heute von unsicheren Zeiten sprechen, seien die damaligen Zustände einmal vor Augen geführt.

Das einzige, was in diesen Gründerjahren wohl ausreichend vorhanden war ist der Wille zum Neubeginn sowie ein reicher Schatz an Fachwissen und Erfahrung und, zumindest in vielen Fällen, tüchtige, einsatzfreudige Mitarbeiter. Soweit diese nicht aus der alten Heimat mitgebracht oder nachgeholt wurden hat man sie in kürzester Zeit vor Ort ausgebildet.

Nur so ist zu erklären, weshalb es bereits bei der Gemeindegründung 1950 in Geretsried ein kleines Wirtschaftswunder gab, das sich einige Jahre später in der gesamten Bundesrepublik und im großen Stil wiederholen sollte. Doch davon später mehr.

 

Um die Wohnungsnot zu lindern, werden 1947 etwa 100 Wohnungen in den ehemaligen Wohlfahrts- gebäuden eingebaut.

Die ersten reinen Neubauten sind zwei Wohnblöcke am Kirchplatz 1949

und die sog. Schwarzhäuser, benannt nach der Fertighaus- firma Schwarz aus Freilassing.

Durch den Lagerbrand am 3.7.1949 verstärkt sich die Wohnungsnot.

Der Neubau von Wohnungen wird 1948 vom Forst wegen der künftigen Holzversorgung behindert.
Dieses Argument wurde aber nur vorgeschoben.
Hauptgrund war, dass die Entwicklung von Geretsried von Nachbarorten nicht gern gesehen wurde.

Im Kreistag fordern Gegner die Sprengung aller Gebäude. Man glaubt, sich auf solche Weise der Flüchtlinge entledigen zu können.
Die ohnehin knappen Ressourcen mit den Flüchtlingen noch zu teilen, das ging dann doch zu weit.
Der in dieser Zeit amtierende Landrat Willi Thieme, (er wurde später Bürgermeister von Wolfratshausen) setzt sich für den Aufbau von Geretsried ein.
Daraufhin wird er kurz danach abgewählt.
Ihm wird vorgeworfen, nicht die Interessen des Landkreises zu vertreten sondern sich vor die Besatzungsmacht und „Bestie Staat„ spannen zu lassen.
Zum Glück können sich die Gegner der Besiedlung von Geretsried nicht durchsetzen.
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Immer noch wird Geretsried von der Gemeinde Gelting verwaltet.
Die Zusammenarbeit ist beispielhaft, aber die
kleine Verwaltung ist mit dem großen Anhängsel Geretsried überfordert. In Gelting wohnen 976 Personen, in Geretsried sind es 2152 Personen. Das bedeutet über 2/3 der Einwohner sind Geretsrieder.

Deshalb wird im Sept. 1949 durch den damaligen 2. Bürgermeister von Gelting Karl Lederer der Antrag gestellt, Geretsried als eigene Gemeinde zu gründen.


Am 1.4.1950 ist es dann soweit, Geretsried wird getauft und eigenständig. Die Gemeindegründung findet in der nebenan stehenden Halle statt.

Es gibt 2.152 Einwohner; davon 348 schulpflichtige Kinder. Dies sind im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr viele Kinder. Heute geht man von 10 % der Einwohnerzahl aus. Das sind etwa 1/3 weniger.


Aber unter welchen finanziellen Voraussetzungen.
Die Einnahmen sind dürftig.
DM 10.000,- Erstausstattung vom Bayer. Staat

und DM 12.000,- als Schlüsselzuweisung.

Die Gewerbesteuer geht noch an die Gemeinde Gelting, als Entschädigung für die Betreuung.
Die Gemeinde besitzt keinen Quadratmeter Grund, die drei Räume der Verwaltung (einschl. Sitzungssaal ) sind angemietet.


Eigentümer des Werk
es, und damit aller öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Wasserwerk, Straßen, Grundstücke für Friedhof und Schulen ist zu diesem Zeitpunkt das Bayer. Landesamt für Vermögensverwaltung.

Im Herbst 1950 findet der Umbau eines Bunkers an der Adalbert-Stifter-Straße zu einem Schulgebäude statt.

Der Umbau war dringend nötig geworden, denn die bisherigen Schulräume im sog. Gästehaus reichten nicht mehr aus. Die Baukosten betragen DM 40.000,-.
Der Bau des Friedhofes mit einer kleinen Halle wird in Angriff genommen.
Das Barackenlager Buchberg wird geschlossen.
Im August 1950 verlassen die letzten jüdischen Bewohner das Lager Stein, dass für DM 550.000,- renoviert und neu bezogen wird. Der Bauherr ist das Landbauamt.

Zur Linderung der fortdauernden Wohnungsnot wird die Gemeinnützige Baugenossenschaft gegründet.

Wie schon erwähnt hatten die Geretsrieder Industrieunternehmer ein kleines, vorgezogenes Wirtschaftswunder und im Jahre 1948 bereits 400 Arbeitsplätze geschaffen. Diese Zahl hatte sich bis zur Gemeindegründung 1950 mehr als verdoppelt. In 37 Industriebetrieben sowie 40 Handwerks- und Handelsunternehmen waren mittlerweile 825 Mitarbeiter beschäftigt. Diesen standen 128 Arbeitslose gegenüber, was einer Arbeitslosenquote von etwa 13,5 % entsprach, Dies ist ein heute in Teilen der Bundesrepublik durchaus zeitgemäßer Wert.

Die neu gegründete Gemeinde verfügte im Jahr ihrer Gründung über ein Gewerbesteueraufkommen von 42.000.- DM, was für die gewaltigen Aufgaben, die es zu bewältigen galt, nicht sehr viel war. Den Unternehmen ging es nicht besser. Wie schon erwähnt, konnten sie Grundstücke und Gebäude nicht erwerben, sondern nur pachten und somit auch keine Grundschulden eintragen lassen, was die Kreditbeschaffung erheblich erschwerte. Umso bewundernswerter ist die industrielle Aufbauleistung.

Es bedurfte noch eines langen Kampfes von Seiten der Gemeinde und der Industriegemeinschaft, bis am 1. April 1956 das Gelände von der IVG an die LfA – Landesanstalt für Aufbaufinanzierung – übertragen und nun endlich der Verkauf der Liegenschaften in Angriff genommen werden konnte.

1950 – 1960

Die Wohnungsnot war allgegenwärtig. Anfang der 50-er Jahre helfen die Bauvorhaben der Montan (Kirchplatz und Versuchssiedlung) später die der der Baugenossenschaft am Karl-Lederer-Platz und am Stern. Das Wirtschaftswunder war schon in Schwung gekommen, der Wohnungsbau kommt nicht nach.

Für eine vierköpfige Familie ist eine Wohnungsgröße von 40 qm die Norm. Das ist eine Wohnung in der sog. Versuchssiedlung. Es gibt dort Familien mit neun Personen in solch einer Wohnung. Und trotzdem…
…man ist glücklich, nicht mehr in einer Baracke oder irgendwo zwangseingewiesen wohnen zu müssen.

Die Einwohnerzahlen steigen bis 1960 jährlich um ca. 10 % an.
Das Gewerbesteueraufkommen verbessert sich langsam.
Die Gemeinde spart wo es geht.

Als eine der ersten „Luxus-Investitionen“ wird 1952 ein Kino eingerichtet.

Für eine Gemeinde eine seltsame Anschaffung.

Aber für die Bevölkerung ist es eine wichtige kulturelle Einrichtung.

1956 erhält die Gemeinde das Nutzungsrecht an öffentlichen Grundstücken sowie des Wasser- und Kanalnetzes – aber immer noch kein Eigentum.

Erste Straßenbaumaßnahmen sind die Ad.-Stifter-Str. als dringend notwendige Verbindung der Ortsteile Geretsried und Gartenberg und später der Karl-Lederer-Platz. Eine Mischmaschine für die Betonherstellung wird erworben, die Arbeiten führt der gemeindliche Bauhof selbst aus.

Bis 1956 ist nicht sicher, ob Föhrenwald bei Wolfratshausen bleibt, oder als ursprünglicher Bestandteil der DAG zu Geretsried kommt. Nach dem Auszug der letzten jüdischen Bewohner erwirbt das Kath. Siedlungswerk die Gebäude.
Föhrenwald wird Waldram und bleibt bei Wolfratshausen.

1958 ist der Baubeginn für das Regierungslager für Sowjetzonenflüchtlinge.
Damit beginnt ein neuer Zeitabschnitt in der Einwohnerentwicklung unserer Stadt.
Der Zustrom kommt über Berlin und den Notaufnahmelagern nach Geretsried. Die Flüchtlinge finden sofort Arbeit in der Geretsrieder Industrie und beantragen eine Wohnung im Ort. Die Baugenossenschaft bemüht sich, finanziell unterstützt durch Sonder-Bau-Programme des Staates, hier Abhilfe zu leisten.
Der Mauerbau 1961 stoppt den Zuzug.
Bis zum Abbruch des Lagers 1997 dient das Lager zur Aufnahme von Spätaussiedlern.
Insgesamt haben 25.225 Personen das Lager durchlaufen.

1957 Umbau eines Bunkers zur ersten Turnhalle von Geretsried - heute Schützenheim an der Jahnstraße.

1955 schreibt ein französischer Journalist in das Gästebuch
„Wir waren auf der Suche nach Flüchtlingen und wir fanden eine Stadt“.

Geretsried wird bis heute als Musterbeispiel der Integration von Heimatvertriebenen angesehen.

Am 1. April 1956 trat für die Geretsrieder Unternehmen eine neue, positive Situation ein. Das war im Hinblick auf die Wettbewerbssituation auch dringend erforderlich. Im gesamten Bundesgebiet war inzwischen das vielgerühmte Wirtschaftswunder in vollem Gange und der Konkurrenzdruck wurde immer stärker. Ohne Erweiterungen und Modernisierungen wäre man den gestiegenen Anforderungen sicherlich nicht gerecht geworden. Dabei hatte unsere Gemeinde den großen Vorteil, über eine breite Palette an Wirtschaftsbetrieben zu verfügen, die sich hauptsächlich auf Klein- und Mittelstandsunternehmen stützte. Es hatte durchaus die Möglichkeit der Monopolisierung bestanden. Wie sich etliche von Ihnen erinnern werden gab es in den späten 40er Jahren Pläne, ein großes Filmgelände zu etablieren bzw. einen umfangreichen Siemensbetrieb hier an zu siedeln. Ich persönlich bezweifle, ob uns das gut bekommen wäre.

Infolge der beschriebenen günstigen Voraussetzungen verzeichneten die ansässigen Unternehmen der Chemischen, der Holzverarbeitenden, der Textil-, der Metallverarbeitenden der Kunststoffverarbeitenden und sonstiger Industrien eine z.T. rasante Entwicklung. Es entstanden viele neue Arbeitsplätze und für die Beschäftigten teilweise beispielhafte soziale Einrichtungen. Hier erinnere ich an die bekannte Lorenzsiedlung. Zudem siedelten sich neue Betriebe an. Damit war der Anstoß zu weiterem Wachstum gegeben.

 

1960 - 1970

1961 erhält die Gemeinde Geretsried endlich die von ihr verwendeten Grundstücke übertragen. Der Kaufpreis von 2 Mio DM wird mit den bereits entstandenen Nachfolgelasten verrechnet.

Die rege Bautätigkeit ergibt, dass die vorhandene Kanalisation der Rüstungswerke nicht mehr ausreicht. Längs durch Geretsried wird ein Hauptsammler gelegt. Er verbindet die Kanalisation in Stein mit einer provisorischen Kläranlage im Norden von Gartenberg. Im Jahr 1962 wird der Abwasserverband gegründet, der den Bau der Kläranlage in Weidach durchführt.

Durch den Kanalbau ist der Neubau der Straßen erforderlich. Die alten Betonrollwege reichen nicht mehr aus. Jedes Jahr werden für über 1 Million DM neue Straßen gebaut.
Der Beginn ist die Altvaterstraße vom Stern nach Stein. Dann folgen die Hauptachsen von Süd nach Nord. Sudetenstraße, Adalbert-Stifter-Straße und Egerlandstraße.
Ein gewaltiger finanzieller Kraftakt.

Der neue Flächennutzungsplan geht von 15.000 Einwohnern aus.

Geretsried hat 1962 7.334 Einwohner.

Die Einwohnerzahl steigt von 1961 – 1969 pro Jahr um ca. 1.000.

Das heißt: Geretsried explodiert buchstäblich
Die öffentlichen Bauvorhaben (damals in kürzester Zeit beschlossen und genehmigt) kommen nicht nach.

Das waren u.a.

1962 - 1. Bauabschnitt der heutigen Karl-Lederer-Schule

1966 - 2. Bauabschnitt mit Turnhalle und Sportplatz



1966 - Das Isarau-Stadion als erste größere Sportstätte im Landkreis.

Die nächsten großen Wohnungsbauvorhaben waren:

1961 – 1964 Bebauung des Gebietes am Neuen Platz für ca. 2.000 Einwohner.

Das größte Wohnungs- Bauvorhaben des Landkreises –wahrscheinlich bis heute.


1968 werden am jetzigen Johannisplatz die Bunkerruinen der Nitropenta-Herstellung abgebrochen und das Gebiet neu bebaut.

1964 ist Eröffnung der Tattenkofener Brücke. Das ergibt die Verbindung zu den Gemeinden östlich der Isar. Arbeitskräfte kommen von dort nach Geretsried. Und Geretsried wird Einkaufsstadt.

Ich komme wieder zur wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Der allgemeine Wirtschaftsaufschwung und der damit gestiegene Wohlstand begünstigten nicht nur die Schaffung der angesprochenen Infrastrukturmaßnahmen. Er führte in wenigen Jahren zur Vollbeschäftigung und schließlich sogar zum Arbeitskräftemangel. Gastarbeiter wurden angeworben, zumeist aus den vom Wirtschaftswunder noch nicht erfassten südlichen Ländern Europas. Bereits Mitte der 50er Jahre sah man mehr und mehr fremdländische Arbeitskräfte bei uns, zunächst meist auf Baustellen, in zunehmendem Maße aber auch in der verarbeitenden Industrie und im Gastgewerbe. Italiener, Jugoslawen, Griechen, Spanier, Portugiesen und vor allem Türken stellten die größten Kontingente. Unternehmen wie die Europäische Canfield und Lorenz boten Ungelernten Arbeitsplätze in großer Zahl an. Auch Spätaussiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, aus dem Banat und Siebenbürgen, aus dem heute polnischen Schlesien, aus der CSSR und Ungarn und später, nach der Wende, aus den Ländern der ehemaligen Sowietunion kamen nach Deutschland und damit auch in großer Zahl nach Geretsried um Wohnung und Arbeit zu finden. Tausende von ihnen durchliefen zunächst das Durchgangslager bzw. Übergangswohnheim in Stein, ein erheblicher Teil blieb in unserer Gemeinde und sorgte für einen permanenten Wohnungsmangel, der bis heute noch nicht beseitigt werden konnte

 

1970 bis 1980

1970 wird Geretsried zur Stadt erhoben.

Der Bevölkerungszuwachs erfordert Schulneubauten.
Fertiggestellt werden
im Juli 1970 die Grundschule am Isardamm
im April 1973 die Karl-Lederer-Grundschule
und im Januar 1974 die Hauptschule an der Adalbert-Stifter-Straße.
 
Der Landkreis Wolfratshausen errichtet
1970 die Realschule und
1971 das Gymnasium in Geretsried.
Vorangegangen war ein Wettbewerb zwischen Wolfratshausen und Geretsried um den Standort.
Geretsried gewinnt und stellt dem Landkreis kostenlos die erforderlichen Grundstücke zur Verfügung.

In Geretsried wird eine Bausteinaktion für die Errichtung eines Hallenbades ins Leben gerufen. Die Bevölkerung spendet und eine Reihe von Veranstaltungen bringt Geld in die Stadtkasse. All dies hilft mit, dass 1972 das lang ersehnte Hallenbad eröffnet werden kann. Zusammen mit dem benachbarten Isaraustadion, den zahlreichen Turnhallen und dem später errichteten Eisstadion begründet sich damit der Name „Sportstadt Geretsried“ und stellt einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität unseres Gemeinwesens.

Das gilt auch noch heute, bei Überlegungen für eine evtl. Schließung des Hallenbades.
Diese Lebensqualität ist unendlich wertvoll im Wettbewerb mit anderen Kommunen bei der Ansiedlung von neuen Betrieben.


1972 wird der Landkreis Wolfratshausen aufgelöst. Es entsteht der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit dem Verwaltungssitz in Bad Tölz. Sinnvoller wäre es gewesen, diesen Verwaltungssitz im Schwerpunkt der Bevölkerungszahlen nach Geretsried zu legen... Leider keine Sachentscheidung sondern eine Entscheidung auf politischer Ebene. Trotz aller Gegenproteste.

Der neue Flächennutzungsplan geht von 25.000 Einwohnern aus. Geretsried hat 16.300 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum verringert sich.

1975 erwirbt die Stadt von der Bayer. Landesanstalt den Ortsteil Stein. Der Abbruch und der Neubau dauern ca. 10 Jahre. Die Bewohner der alten Stein-Baracken erhalten Wohnungen von der Gemeinnützigen Baugenossenschaft.

Das Gewerbesteueraufkommen beträgt 1970 ca. 3 Mio DM und steigert sich bis zum Ende des Jahrzehnts auf ca. 8 Mio DM. Zwischendurch gibt es Einbrüche. Rezessionen der Wirtschaft gab es auch damals schon.

1.5.1978 adoptiert die Tochter die Mutter. Die Gemeinde Gelting kommt zu Geretsried.

1979 erwirbt die Stadt die Fläche auf der Westseite der B 11 , die sog. Böhmwiese.

Diese Fläche ist für die weitere Entwicklung unserer Stadt besonders wertvoll. Ich verweise hier auf die Erweiterung des Karl-Lederer-Platzes und der Bau des geplanten S-Bahnhofs.

Neben Schule und Sport kommen weitere öffentliche Einrichtungen dazu.
1974 das Jugendzentrum und 1979 die Musikschule.


Zunächst von vielen noch nicht sehr deutlich wahrgenommen zeichnet sich in der Industrie während der 70er Jahren ein Strukturwandel ab. Die erste Energiekrise hinterlässt deutliche Spuren und gibt erstmals Anlass zur Sorge, dass die permanente Steigerung unseres Wohlstandes sich nicht mehr lange fortsetzen könnte. Längst gleitet unser Staat in zunehmende Verschuldung, während unsere Anspruchshaltung sich ungebremst weiter entwickelt. Kaum jemand erinnert sich noch an jene geradezu paradiesischen Zustände, als der frühere Bundesfinanzminister Fritz Schäffer geradezu im Gelde Schwamm und gerügt wurde, einen Juliusturm zu errichten. Seine Nachfolger heute können davon nur träumen.

Die Vollbeschäftigung gehört der Vergangenheit an, auch wenn nach wie vor Millionen Gastarbeiter bei uns in Deutschland tätig sind. 1973 verzeichnet der Landkreis nach vielen Jahren erstmalig wieder eine Arbeitslosigkeit, wenn auch nur von 1 %. Industrie, Handwerk und Gewerbe in Geretsried bieten 6.500 Arbeitsplätze, ca. 1.000 davon für Gastarbeiter.

Zahlreiche Bürger der umliegenden Gemeinden beäugen unsere Stadt noch immer mit Misstrauen und Ablehnung, obwohl viele davon hier arbeiten und von der vollbrachten Aufbauleistung nicht unerheblich profitieren, ja letztendlich ihre Existenzgrundlage verdanken.

 

1980 - heute

Besonders wichtig für Geretsried ist die Verkehrsanbindung an überörtliche Straßen.
Die Tattenkofener Brücke brachte eine Verkehrsverbesserung zur Salzburger Autobahn und besonders wertvoll ist der 1980 eröffnete
Autobahnzubringer zur Garmischer Autobahn. Wichtig auch für die Verkehrsentlastung von Wolfratshausen.
Man erinnere sich, dass vorher der Verkehr durch den Obermarkt und der Beuerberger Straße floss.

Lange wird über die Art und Größe des Ausbaues der B11 gestritten.
In Bürgerversammlungen und im Stadtrat.
1990 wird der vierspurige Ausbau fertiggestellt.
Man stelle sich vor, es hätten die Gegner des Ausbaues ihre Ansicht durchsetzen können. Ein Blick auf das tägliche Verkehrsaufkommen reicht.

1991stellt man auf dem Gelände eines ehemaligen Rüstungswerkes in Norddeutschland eine erhebliche Belastung durch Schadstoffe aus der Rüstungsproduktion fest. Sofort schreiten die Fachbehörden - voran das Wasserwirtschaftsamt Weilheim – bei uns ein.
Was folgt ist ein Baustopp.
Dank politischer Unterstützung übernimmt die Regierung von Oberbayern die Kosten für die flächendeckende Untersuchung. Die Kosten betragen 5 Mio. DM.
Das erhoffte Ergebnis ist erfreulich:.
Nur an wenigen Stellen werden Belastungen festgestellt. Jetzt ist Geretsried eine der am besten untersuchten Städte Deutschlands.

Im Jahr 1980 überschreitet Geretsried die 20.000 Einwohner-Grenze.


Neben den erwähnten 20.000 Einwohnern – die Zahl ist bekanntlich inzwischen auf etwa 24.000 weiter gestiegen, gibt es ca. 9.300 Arbeitsplätze, 3.230 für Einpendler. Diesen steht eine ähnlich hohe Zahl an Auspendlern, nämlich 3.710 gegenüber. Die Arbeitslosenzahl bewegt sich etwa auf dem Niveau des bayerischen Landesdurchschnitts und liegt damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.


Der Strukturwandel in der Industrie hat sich parallel zur Gesamtentwicklung in den letzten 30 Jahren dramatisch verstärkt. Viele Betriebe mit traditionellen Produktionsprogrammen sind verschwunden, der Trend zu Dienstleistung und high-tech Industrie hält unvermindert an. Die Globalisierung tut das ihrige dazu. Letztgenannte Entwicklung hat dazu geführt, dass ein bestimmter Prozentsatz der Menschen, vor allem der nachwachsenden Generation, die die hohen Ansprüche an die Flexibilität und vor allem an das Leistungsvermögen veranlagungsbedingt nicht erfüllen können, auf der Strecke bleiben. Mit dem Wegfall zahlreicher Hilfsdienste, die heute von Maschinen erledigt werden, schrumpfte das Beschäftigungsangebot für diese Menschen. Somit werden wir wohl auf Dauer mit einem gewissen Prozentsatz an Nichtbeschäftigten leben müssen.

Die angesprochene Forderung nach mehr Flexibilität führt zwangsläufig zu mehr Berufspendlern, in unserem Falle wohl mehrheitlich zu Auspendlern. Damit entwickelt sich Geretsried allmählich von der reinen Industriegemeinde früherer Jahre zur Wohnstadt der Auspendler nach München.

Lassen Sie mich noch einen Hinweis auf den o.e. Strukturwandel am Beispiel eines Industriezweiges in der Bundesrepublik Deutschland anführen, in dem ich Jahrzehnte lang tätig war. Es ist die Textil- bzw- Textilveredlungsindustrie.

Dieser Industriezweig beschäftigte 1952 in 4.400 Betrieben 570.000 Menschen. 1972 waren in 3.400 Unternehmen noch 400.000 Mitarbeiter beschäftigt, 1992 in 1380 Betrieben nur noch 189.000. Das ist ein Rückgang um 67 %.bei den Beschäftigten und 69 % bei den Unternehmen. Nachdem wir heute von Textilimporten geradezu überschwemmt werden dürfte diese Abnahme aktuell noch weit höher liegen.

Ähnliches hat sich übrigens auch bei uns ereignet. Von den 1950 hier ansässigen Textilbetrieben plus einigen später Hinzugekommenen existiert nicht mehr ein einziger. Ich nenne hier die Firmen Textilia – Bienert, Gardinen- und Vorhangerzeugung, Hans Gloning, Wollabfallveredlung Tutzing/Zweigwerk Geretsried, C. Wiegand KG, Mechanische Weberei, Taschentücher, Strumpffabrik Weißbach und, die zähle ich auch dazu, die Daunen- und Bettfedernfabrik Holle. Einzig die Handweberei Rohi hat bis heute überlebt. Dafür haben sich modern ausgerichtete Betriebe aus anderen Bereichen neu angesiedelt, so dass man für unseren Ort mit gutem Gefühl in die Zukunft schauen kann.


Was ich von der Industrie sagte, gilt in etwas abgewandelter Form, aber im Prinzip mit den gleichen Folgen, für den Handel. Auch hier beobachten wir im Laufe von Jahrzehnten dramatische Veränderungen. Großmarktketten haben, nach amerikanischem Vorbild, unsere traditionellen Einzelhandelsgeschäfte in vielen Marktsegmenten total, in anderen zu einem hohen Prozentsatz verdrängt. Wenn wir heute das Fehlen attraktiver Fachgeschäfte in unserer Stadt beklagen so ist dies nur zum Teil der Standortfrage, zum größeren Teil aber den herrschenden Marktbedingungen und den durch sie veränderten Verbrauchergewohnheiten zuzuschreiben.

Im Hinblick auf die Tätigkeit unseres Arbeitskreises Historisches Geretsried einerseits und die zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung andererseits stelle ich an den Schluss meines Teils dieses Vortrages einen Gedanken, der für viele Bereiche unseres Lebens gilt :

„Wohl dem, der sich bei der Bewältigung der Zukunft von der Erfahrung der Vergangenheit leiten lässt“.

Ich möchte einen Gedanken von Arthur Zimprich aufgreifen, den er kürzlich formulierte :

„Geretsried ist den Industriepionieren der Anfangsjahre zu Dank verpflichtet. Unter den Bedingungen einer atemberaubenden wirtschaftlichen Globalisierung leben wir in einer Zeit des Umbruchs, in der Pioniergeist, also der Mut, eingefahrene Bahnen zu verlassen und etwas Neues zu wagen, verstärkt gefordert ist“

 

Zusammenfassung


Heute hat Geretsried ca. 24.000 Einwohner.

2008 waren es 27,5 Mio. € Steueraufkommen – der Anteil der Lohn- und Einkommensteuer erreicht fast die Gewerbesteuereinnahmen.

Geretsried zahlte 2008 10,5 Mio. € Kreisumlage . Die 1950 erhaltenen DM 10.000,- als Erstausstattung wurden sehr gut verzinst zurückbezahlt.


Diese 64 Jahre sind tatsächlich
eine Erfolgsgeschichte.

„Not und Tod brachten uns her, Arbeit und Fleiß schufen uns Ehr.“

Arbeit und Fleiß verbunden mit dem Gefühl mit dem Rücken an der Wand zu stehen und trotzdem einen grenzenlosen Optimismus zu haben.

Und, ...natürlich half auch das nötige Quäntchen Glück dazu.

Es ist unmöglich alle zu nennen, die hierzu Ihren Beitrag geleistet haben:

Es waren die Vertreter der zuständigen Behörden, die Landräte, die Bürgermeister, die Mitarbeiter der Verwaltung auf der einen Seite.

Die von Werner Sebb genannten Firmenchefs, Betriebsleiter bis hinunter zum kleinsten Arbeiter auf der anderen Seite.
-und die vielen fleißigen Hände, die in der knapp bemessenen Freizeit in mühseliger Arbeit zusammen mit Verwandten, Freunden und Nachbarn ihre Häuser bauten.

Alle zusammen erreichten etwas, was 1946 für unmöglich gehalten worden war.

Das Findelkind Geretsried ist zwischenzeitlich erwachsen geworden. Während seiner gesamten Entwicklungszeit immer kritisch von außen beäugt, oft abwertend begutachtet,……….. aber oft auch beneidet.

Gottseidank aber so gut wie nie bemitleidet.

Geretsried ist einfach anders.
Anders als die in Jahrhunderten gewachsenen Städte und Gemeinden der Nachbarschaft.
Werner Sebb und ich hoffen, dass Sie aus unserem Vortrag entnehmen konnten, warum dies so ist.

Leider war es aus Zeitgründen nicht möglich, alle Bereiche zu erwähnen.
Feuerwehr, Kirchen, Vereine, Parteien, und alle sonstige Einrichtungen.


Ich bin dankbar dafür, dass ich durch meinen Beruf in über 45 Jahren Gelegenheit hatte, diese Entwicklung aus nächster Nähe mitzuerleben. Und auch etwas mitzugestalten. Nicht nur bei meiner Arbeit am Schreibtisch.

Ich war in nahezu allen Gemeinderatssitzungen und auch fast immer bei den obligatorischen Nachsitzungen in einer Gaststätte dabei…… und gerade dort bekam ich viele Hintergrundinformationen. Dort wurde Kommunalpolitik gemacht.

Und nun aus der Sicht der Stadtplanung ein Blick in die Zukunft:


Frau Bürgermeisterin Irmer hat bereits hierüber berichtet.

Geretsried wird aufgrund seiner sehr guten geographischen Lage auch in der Zukunft gute Voraussetzungen haben. Der Süden Deutschlands, der Süden Bayerns und der Bereich südlich Münchens wird auch in der kommenden Zeit von Interesse von Zuzüglern sein. Die Lage zwischen der Millionenstadt München mit allen kulturellen Einrichtungen, der Seen und der Berge ist optimal. –

München wurde vor wenigen Tagen von einem Fachmagazin zur lebenswertesten Stadt weltweit gewählt. Und davon profitieren auch wir.
Wenn auch größere Baugebiete in Randbereiche aus Gründen des Erhalts der Wälder nicht mehr möglich sein werden, es gibt noch genügend Flächen innerhalb der Stadtgrenzen die bebaut oder verdichtet werden können. Ich denke hier an das Gebiet der Baugenossenschaft am Stern.
Voraussichtlich wird allerdings auch die Zahl der Auspendler nach München steigen.

Allerdings nicht so stark, dass aus dem Zahnrad im Wappen ein Bett werden soll, wie ein kritischer Einwohner von Geretsried befürchtet.…

Ich möchte mich, auch im Namen von Werner Sebb und des Arbeitskreises Historisches Geretsried, bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit bedanken.


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