Historische Forschungsergebnisse des AHG

Auf den nachfolgenden Seiten sind Auszüge aus der Forschungsarbeit der Mitglieder des Arbeitskreises Historisches Geretsried veröffentlicht. Einiges davon floss bereits in unsere sogenannten "Geretsrieder Hefte", welche u. a. über diese Homepage erworben werden können. Andere Arbeiten sind hier veröffentlicht.

Die letzte echte Baracke

Montag, den 9. Februar 2026

Die letzte echte Baracke und das verjüngte Geschichtsteam


Das Geschichtsteam Geretsrieds vor historischer Kulisse - Man sieht nur, was man weiss.



Wie der Ötzi aus dem eisigen Grab so kam ein Originalgebäude der Geschichte unseres städtischen Grund und Bodens im Rahmen der Vorbereitungen für eine Neubebauung wieder in ganzer Grösse aus dem Laubdickicht zutage: Das Gebäude in Holzbauweise an der Ecke Walchenseeweg / Ammerseeweg im Ortsteil Stein ist eine der am Originalstandort verbliebenen Holzbaracken Geretsrieds. Der heutige Stadtteil Stein wurde als erstes Unterbringungslager im Rahmen der Bauphase der beiden Rüstungsfabriken im Forstbezirk Wolfratshausen 1938 errichtet. Dieser Holzbau ist dort eine doppelte Rarität, denn der Name «Stein» sagte aus, dass es Gebäude in Steinbauweise waren, die dieses Lager qualitativ auszeichneten; dieses Holz-Gebäude war lt. einem vorliegenden Plan das einzige in Holzbauweise. Die weiteren Unterbringungs-Lager «Am Forst » und auf der «Böhmwiese» entlang der B11 die weitgehend in dieser vorgefertigten Barackenbauweise entstanden, das jetzt im Geretsrieder Ortsteil Stein nochmals in gut erhaltenem Zustand zu sehen ist. Im Programm der ISAR-VHS bietet der Sprecher des AHG, Alexander Jochum auch dieses Frühjahrssemester wieder 7 verschiedene Touren (erstmals 27.2) durch die verschiedenen Produktionsbereiche der beiden Werke an (Geretsrieder Gebäude erzählen).

Die Baracke wird im Lauf des Februars vor Neubebauung des Grundstücks dokumentiert und abgebaut, um für Museumszwecke der Stadt Geretsried einer neuen Nutzung zugeführt zu werden.

 

v.l. Fritz Schumacher, Werner Sebb, Hannelore Aumüller (Kassenwartin), Reinhold Mayer, Robert Schäl (Kassenprüfer), Alexander Jochum (1. Sprecher), Gerhard Fichter (Kassenprüfer), Dr. Wolfgang Pintgen, Thomas Holzer (2. Sprecher)

Weitere Informationen zur Geschichte des Lager Steins finden sich im Geretsrieder Heft 7.2a, Unterbringung der Beschäftigten der DAG und DSC in der Heftreihe 7 - Zwei Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst. Die Hefte liegen auch in der Stadtbibliothek Geretsried auf.

Käuflich erwerbbar sind die in gedruckter Version vorliegenden Geretsrieder Hefte jederzeit in den üblichen Verkaufsstellen im Stadtmuseum, in der Buchhandlung Thalia am Karl-Ledererplatz und bei Schreibwaren Schröter an der Adalbert-Stifter-Strasse. Unter der Webadresse www.arbeitskreis-historisches-geretsried.de/online-shop findet man nicht nur die Inhalte aller 17 Hefte als Drucksache oder alternativ für nicht mehr gedruckte Auflagen digital mit einem e-book Reader auf einem USB Stick sondern auch ein Quiz und Videofilme aus über 22 Jahren historischer Dokumentation.



Stichwort AHG

Arbeitskreis Historisches Geretsried vor einer am Original-Standort stehenden-Baracke in Geretsried Stein. Die Mitgliedschaft erfolgt durch Mitwirkung mittels Wort- und Bildbeiträgen oder der Gestaltung von Vorträgen und Veröffentlichungen, die dem Vereinszweck und der Finanzierung dienen. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 8.1. hat sich der Arbeitskreis personell für die nächsten 20 Jahre aufgestellt. Alexander Jochum und Thomas Holzer haben die Rolle der Sprecher übernommen, Kassenwart bleibt Hannelore Aumüller. Die Stadt Geretsried zeichnete den Arbeitskreis kürzlich auch für die über 20 jährige ehrenamtlich und aus Spendenmitteln betriebene Geschichtsforschungs- und Dokumentationstätigkeit aus.



Stichwort Holzbaracken

Für die Unterbringung des Arbeitsbeschaffungsprogrammes «Reichsarbeitsdienst - RAD» wurden in kurzer Zeit viele Unterkünfte benötigt, die nach Plänen von verschiedenen Holzbauunternehmen modular angefertigt werden konnten. Diese Module wurden von nur wenigen Arbeitskräften in kurzer Zeit zu Wohnunterkünften zusammengebaut. Die meisten Neubürger des späteren Geretsrieds waren nach ihrer Ankunft noch in solchen Holz-Baracken untergebracht, die aber bei deren Bezug durch eine unkontrollierte Auflösung des Werkes und Abbau für Reparationsleistungen nach Kriegsende nicht mehr so intakt waren, meist ohne Glasfenster und Türen, bar jeder Elektrizität oder Wasserleitungen, weil diese brauchbaren Teile nach Kriegsende und vor der geordneten Übernahme der Allierten Siegermächte für individuelle oder staatliche Zwecke geplündert oder zerstört worden waren.

Die beiden Rüstungswerke waren gerade mal von 1941 bis zum Kriegsende 1945 in Betrieb. Geretsried ist auf diesem Grund- und Boden und in vielen dieser Gebäude seit 1950 zur grössten und wirtschaftlich stärksten Kommune des Landkreises gewachsen. Die Geschichte der Stadt Geretsried hat mit diesen Rüstungsbetrieben den Grund und Boden im ehemaligen gemeindefreien Forstbezirk Wolfratshausen gemeinsam. Der Name der Stadt Geretsried ist älter, weil er von der kleinen Siedlung um die Nikolauskapelle übernommen wurde und bereits in Urkunden vorkommt, die um die Zeit 1088 datiert wurden. Die Wiederansiedlung von Menschen in diesem Forstgebiet ergab sich dann nach Auflösung und weitgehender Sprengung der Produktionsbereiche dieser Werke dadurch, dass ab dem Frühling 1946 Vertriebene zunächst in den Unterkunftsbereichen (Lager genannt) und aufgrund des stark gewachsenen Zuzugs dann zunehmend auch auf den vormals noch von Zäunen geschützten Werksgeländen in ehemaligen Sozialgebäuden Unterkunft fanden.

Stichwort Bunker

Die oft zitierten Bunker bezeichnen in Betonbauweise errichtete Produktionsgebäude die aber der Lagerung, Verarbeitung und Herstellung von Munition und Sprengmitteln für die Rüstungsindustrie dienten, Diejenigen die davon heute noch im Bestand zu entdecken sind, waren Sozial- und Sanitätsbereiche, Lager, Maschinen- oder Fahrzeugbereiche dieser Werke. Dass sie erhalten wurden, ist dem nicht vorstellbaren Zuzug von Menschen aus ehemaligen Gebieten des deutschen Reichs nach Ende des 2. Weltkriegs zuzuschreiben, die die Einwohnerzahl im Landkreis in wenigen Jahren verdoppelte.



Persönlicher Kontakt zum gemeinnützigen Arbeitskreis Historisches Geretsried AHG

Alexander Jochum Telefon 0151 25341093

jochumalexander@gmail.com